Lackarbeiten







Lackieren ist keine leichte Sache. Es gibt unzählige Fehler, die man dabei machen kann. Manche davon sind einfach zu vermeiden, etwa unzureichende Reinigung der Oberfläche oder zu geringe Umgebungstemperatur. Lackierarbeiten sollten eigentlich nur bei Zimmertemperatur vorgenommen werden, also bei mindestens 20 Grad. Andere Fehler, wie Tränen und zu geringer Spritzdruck, sind ohne Erfahrung schon schwieriger zu vermeiden. Ich habe mich damit abgefunden, keine makellose Lackierung zustande zu bringen und mit Acryl-Lack Spraydosen gearbeitet, die ich bei VW gekauft habe. Da ich alle Reparaturstellen zweimal lackieren wollte, habe ich für die zweite Schicht klaren Lack genommen, der ist einfach viel billiger.

Lackiert wird keinesfalls auf das blanke Blech. Es muß eine Grundierung oder überlackierbarer Feinspachtel sein. Wenn die Grundierung mit 600er Papier naß geschliffen wurde, ist die Oberfläche glatt genug, um nach dem Lackieren zu glänzen. Kleine Hügel, die vermutlich beim Spachteln unvermeidlich sind, sind ohne glänzende Lackierung nicht zu sehen. Auf einer glänzenden Oberfläche sind die Unebenheiten dann allerdings doch auszumachen. Der Untergrund ist jedenfalls staubfrei (mit einem feuchten Lappen abputzen) und fettfrei (mit Silikonentferner gründlich abreiben; hat das Tuch erneut Staub auf die Oberfläche gebracht ist dieser wegzupusten).

Mit der Spraydose lackieren hat eine Menge Nachteile. Damit der Lack auch wirklich eine glänzende Oberfläche erhält, müssen die Lacktröpfchen beim Auftreffen auf der Oberfläche zerplatzen und inneinanderfließen. Das bedeutet, daß mit ausreichendem Druck gesprüht werden muß. Mit einer neuen (und vollen) Spraydose läßt sich der erforderliche Druck von drei Bar durchaus erreichen. Man sollte die Dose in einem 30 Grad warmen Wasserbad erwärmen. Sobald sich die Dose entleert, sinken Druck und die Temperatur sofort wieder. Ist der Druck aber zu gering, zerplatzen die Tröpfchen nicht mehr und es entsteht eine rauhe und matte Oberfläche. Ich würde daher zuerst die sichtbarsten Stellen lackieren und eine halbvolle Spraydose nur für weniger sichtbare Stellen verwenden.

Die Alternative zu einer Spraydose ist nur die Lackierung mit einem Kompressor und 2k-Lack (und der damit verbundene Aufwand). Trotz der VW-Preise ist eine Lackierung mit der Spraydose zumindest bei kleineren Flächen billiger. Natürlich ist der 2k-Lack aber wesentlich haltbarer als der Acryl-Lack.

Wenn man benachbarte Stellen abklebt, ist trotz allem die Klebekante zu den abgedeckten Stellen deutlich zu sehen. Man sollte daher immer entlang von Fugen abkleben. Solche Kanten sind nachher eigentlich nicht mehr auszumachen. Aber: wer seine Karosseriefugen entrostet hat, wird ja gerade entlang der Karosseriefugen lackieren müssen. Das ist ein Dilemma. Ich bin zum Schluß gekommen, daß man solche Klebekanten am besten vermeidet, indem man gar nicht abdeckt und einfach einen Streifen entlang der Karosseriefugen sprüht. Nachteil dabei ist, daß sich an den Rändern zum gesprühten Streifen der Lacknebel niederläßt und die oben beschriebene matte, rauhe Struktur bildet. Aber das ist eigentlich kaum sichtbar und ich kann mich damit abfinden. Die Alternative dazu ist eigentlich nur den ganzen Bus zu lackieren.

Der Abstand der Spraydose sollte 20cm betragen, womit wir wieder beim Thema Druck sind, eine halbleere Spraydose hat für diesen Abstand dann nicht mehr genug Druck. Man muß dann den Abstand verringern. Der daraus resultierende Fehler ist oft eine Träne. Das heißt, es wird auf einer Stelle soviel Lack aufgesprüht, daß der Lack schon herunterrinnt. So eine Träne kann man dann erst eine Woche später (wenn der Urlaub bereits vorbei ist) mit einer Rasierklinge entfernen, und vor einem neuen Lackierversuch glattschleifen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man Streifen (entlang der Karosseriefugen) am besten "im Vorbeigehen" lackiert. Damit meine ich, daß man die Spraydose schnell entlang der Karosseriefuge vorbeibewegt und erst nachdem sich der arm in Bewegung gesetzt hat auf den Knopf drückt. Noch bevor der Arm wieder anhält läßt man den Knopf wieder los. Ansonsten würde sich am Anfang und am Ende des gesprühten Streifens eine Träne bilden. Falsch ist es, die Spraydose schnell hin und her zu bewegen (wie einen Haarspray), so bildet sich ebenfalls eine matte, rauhe Oberfläche.

Ein weiterer Punkt ist, wie sichtbar die neulackierten Stellen nachher sind. Lack hat die Eigenschaft, mit zunehmendem Alter auszubleichen. Selbst wenn man Lack im original Farbton besorgt, werden die neu lackierten Stellen wesentlich frischer aussehen und sich damit von der Umgebung deutlich abheben. Unter Umständen hilft es, den alten Lack mit spezial Polish für alte Lacke zu polieren. Mein Glück war, daß mein Bulli vor drei Jahren neu lackiert wurde (in original Capriblau). Die von mir besprayten Stellen unterscheiden sich daher wirklich nicht vom Untergrund.

Werden Ausbesserungsarbeiten nur gemacht, um die Korrosion einzudämmen, ist das unprofessionelle Lackieren wie hier beschrieben durchaus akzeptabel. Wer Wert auf ein perfekt lackiertes Auto legt, der wird bei vielen Roststellen wohl besser eine großflächige Neulackierung vorziehen. Oft ist auch nur die untere Hälfte der Karosserie betroffen. Gerade beim T3 bietet es sich gerdezu an, dem Bus ein zweifarbiges Aussehen zu geben und nur die untere Hälfte neu zu lackieren.