Wolkenbeobachtung

Das Wolkenbild gibt uns neben anderen Wettererscheinungen wesentliche Hinweise für eine Wetterprognose vor Ort und hilft uns, Gefahren richtig einzuschätzen. Dieser Abschnitt soll es Ihnen ermöglichen, die Wolkenarten einzuordnen und richtig zu erkennen. Außerdem werden wir beschreiben, was uns die einzelnen Wolkenarten über den Wetterverlauf verraten.

Schematische Einteilung der Wolkenarten

Unterscheiden wir als erstes zwei prinzipielle Erscheinungsformen der Wolken:
  1. Schichtwolken (Stratus): Bei diesen sind keine abgeschlossenen Formen zu erkennen. Sie sind einfach eine Schicht von Eiskristallen oder von Wassertröpfchen, die den Himmel mehr oder weniger bewölken.
  2. Haufenwolken (Cumulus): Diese sind im Gegensatz zu Schichtwolken als strukturierte Wolkenform mit scharf begrenzen Umrissen am Himmel zu beobachten.

Weiters werden Wolken durch ihre Höhe unterschieden:

  1. Hohe Wolken (Vorsilbe "Cirr-"): Es handelt sich um Eiswolken in mehr als 6.000 m Höhe;
  2. Mittelhohe Wolken (Vorsilbe "Alto-"): Diese Eis- oder Wasserwolken findet man zwischen 2.000 m und 6.000 m Höhe;
  3. Niedrige Wolken (keine einheitliche Vorsilbe): Diese sind immer Wasserwolken unterhalb von 2.000 m Höhe;
  4. Sonstige Wolken: Diese können nicht einer bestimmten Höhe zugeordnet werden, da sie sich über alle Wolkenstockwerke erstrecken können.

Die Kombination aus Erscheinungsform und Wolkenhöhe ergibt eine mehr oder weniger einheitliche Benennung der verschiedenen Wolken. Beispielsweise nennt man eine mittelhohe Haufenwolke Altocumulus. Leider ist die Namesgebung nicht ganz einheitlich. Außerdem wird das Aussehen durch lateinische Eigenschaftswörter noch detaillierter beschrieben. Eine linsenförmige, mittelhohe Haufenwolke nennt man zum Beispiel Altocumulus lenticularis.

In der folgenden Übersicht finden Sie in Klammern auch die Abkürzungen der einzelnen Wolkenarten, wie sie von Fachleuten verwendet werden. Die Bedeutung der Wolkenarten sollten Sie sich für das Erkennen von drohenden Warm- und Kaltfronten, Gewittern und Föhnlagen einprägen.

Hohe Wolken

Cirrus (Ci): Diese Wolke ist leicht an ihrem federartigen Aussehen zu erkennen. Sie besteht aus Eiskristallen und befindet sich in einer Höhe von 6.000 bis 10.000 m, in der es bis zu minus 50 °C kalt sein kann. Diese Höhe täuscht auch über die Tatsache hinweg, daß sich der Cirrus mit Geschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern bewegt. Bedeutung:
  • Parallele, streifenförmige Cirren, die sich bald auflösen, sind Vorboten einer Wetterberuhigung.
  • Großflächig aufziehende Cirrenfelder deuten auf eine nahende Warmfront hin.

Cirrostratus (Cs): Verdichten sich die Cirren zu einer Schichtwolke, so entsteht ein milchiger Schleier aus Eiskristallen in etwa 6.000 bis 8.000 m Höhe. Cs ist die einzige Wolke, die Nebensonnen oder den Haloring hervorruft (bei einem Halo handelt es sich um einen irisierenden Ring, der sich am besten durch eine Sonnenbrille beobachten läßt). Bedeutung:

  • Mit zugleich fallendem Luftdruck kündigt er die Warmfront an. Erste Feuchtigkeit liegt in der Luft, und in einigen Stunden wird es regnen.
  • Kleine Cs-Felder zusammen mit einigen Cirren deuten auf keine Wetteränderung hin.

Cirrocumulus (Cc): Diese seltene Wolke bietet ein faszinierendes Formenspiel am Himmel in Form von flockenförmigen, manchmal gerippt erscheinenden Wattebällchen. Sie findet sich in 6.000 bis 10.000 m Höhe. Bedeutung:

  • Größere Felder von Cc aus westlicher Richtung kündigen schlechtes Wetter an.
  • Vor Warm- und Kaltfronten mit Föhnströmung ist Cc ebenfalls zu beobachten.

Mittelhohe Wolken

Altocumulus (Ac): Wie der Name sagt, handelt es sich um Haufenwolken in mittlerer Höhe. Ac tritt in unterschiedlichster Form in Erscheinung. Das kann in Ballen, Linsen oder auch Walzen sein. Ac findet sich in 3.000 - 6.000 m Höhe und kann auch teilweise aus Eis bestehen. Bedeutung:

  • Wenige Gruppen von Altocumulus am Himmel lassen das Wetter unverändert.
  • Ansonsten ist Ac immer ein Schlechtwetterbote mit Wind, Regen und Gewitter. Je langsamer sich die Wolken verdichten und aufquellen, desto nachhaltiger wird die Wetterverschlechterung sein.
  • Als linsenförmige Wolke zeigt Ac die Föhnwetterlage an und verbietet Hänge- und Paragleitern einen Start.

Altostratus (As): Dies ist eine Wolkenschicht in mittlerer Höhe. Diese Wasserwolke befindet sich in 3.000 - 6.000 m Höhe und verdeckt die Sonne hinter einem trüben Milchschleier. Bedeutung:

  • Ohne Verdichtungstendenz ist As harmlos.
  • Immer dichter werdender As zeigt eine herannahende Warmfront an.

Tiefe Wolken

Stratocumulus (Sc): Der Name mag nach oben genannter Unterscheidung verwirren. Doch Sc ist tatsächlich ein Cumulus, der sich zu einer Wolkenschicht verdichtet hat, da ein Ausdehnen nach oben durch eine hinderliche Inversionsschicht nicht möglich war. Diese Wolke ist durch ihre Bällchen und Wellen leicht mit Altocumulus zu verwechseln, befindet sich aber nur in 500 bis 2.000 m Höhe. Bedeutung:

  • Meistens ist Sc ein Garant für anhaltend schönes Wetter, da eine stabile Hochdrucklage herrscht.
  • Manchmal verdichtet Sc sich zu Schicht- und Regenwolken.

Stratus (St): Diese tiefhängende Wolkenschicht hängt als Nebel oder Hochnebel in den Tallagen und sorgt dort für trübe Tage. Auf höheren Bergen läßt sich der Stratus dann von oben betrachten. Er bildet sich in klaren Nächten mit hoher Luftfeuchtigkeit und kann bei Piloten zu Orientierungsproblemen führen. Ist die Sonne stark genug, löst sich der Nebel im Laufe des Vormittags wieder auf. In der kalten Jahreszeit ist die Sonne aber zu schwach, und zumindest in den Tallagen vergehen oft mehrere Tage Grau in Grau. Bedeutung:

  • Meistens trübt St in winterlichen Hochdrucklagen in den Tälern tagelang den Himmel und behindert die Flugsicht, während am Berg die Sonne scheint.
  • Einzelne vom Wind verwehte Wolkenfetzen kündigen Regen an.

Cumulus (Cu): Diese Wasserwolke ist leicht an ihrem quellenden, blumenkohlartigen Aussehen zu erkennen. Der Cumulus ist die Wolke, denen wir Flieger die größte Aufmerksamkeit schenken sollten, da sie das Thermikfliegen erleichtert. Vor allem aber läßt sich an der vielfältigen Entwicklung auch das Entstehen von höchst gefährlichen Gewittern unfehlbar voraussehen. Der Cumulus ist zwischen wenigen hundert Metern und 6.000 m Höhe zu finden. Bedeutung:

  • Bei Hangaufwind ist meistens über dem Berggrat ein Cumulus zu sehen.
  • Warum die Entwicklung eines Cumulus beachtet werden sollte, wird im nächsten Abschnitt erklärt.
  • Unerklärlich, ohne Sonne aufquellende Cumuli können nur von einer Kaltfront verursacht werden.
  • Nach dem Durchzug der Kaltfront sind ebenfalls Cumuli zu sehen, die trotz der tendenziellen Wetterverbesserung zu Regen und Gewitter führen können.

Sonstige Wolken

Die folgenden zwei Wolkenarten erstrecken sich über alle drei Höhenbereiche. Es sind also besonders hoch aufgetürmte Wolken.

Nimbostratus (Ns): Diese dichte und dunkle Schichtwolke kann sich über hunderte Kilometer erstrecken und ist meist schwer von tiefer liegenden Schichtwolken zu unterscheiden. Nimbostratus geht gewöhnlich mit beständigem Niederschlag einher. Die durch Wolkenfetzen gekennzeichnete Untergrenze kann bei nur 1.000 m liegen. Ns verdeckt die Sonne vollkommen und ist in den Bergen oft als Rauchschwade auszumachen.

Cumulonimbus (Cb): Es handelt sich um eine überentwickelte Cumuluswolke, die sich von 500 m bis an die oberen Grenzen der Troposphäre erstreckt. In den oberen Schichten vereist der Cb und verbreitert sich oft amboßförmig. Cb ist die Gewitterwolke, mit ihren unangenehmen Begleiterscheinungen wie Blitz, Regen, Hagel und extremen Turbulenzen und Aufwinden.

Entwicklung von Cumulus-Wolken

Voraussetzung für die Entwicklung von Cumulus-Wolken ist ausreichende Luftfeuchtigkeit und in der Regel auch Sonneneinstrahlung. Die Sonne erwärmt indirekt die unteren, bodennahen Luftmassen, worauf diese nach oben strömen. Ist die Sonnenstrahlung intensiv genug und die Luftschichtung entsprechend, so erreichen diese Luftmassen eine Höhe, in der es zur Kondensation kommt - den sogenannten Convective Condensation Level (CCL). Die aufgestiegene Luft bildet nun erste weiße Wolkenfetzen. Die Temperatur, die am Boden herrschen muß, damit die aufsteigenden Luftmassen das CCL erreichen, wird Auslösetemperatur genannt. Läßt die Sonneneinstrahlung nun nach, zerfällt diese Wolke wieder. Bei weiterer Wärmezufuhr durch die Sonne hingegen strömt immer mehr warme Luft nach oben, und die zunächst zarte Wolke beginnt sich quellend vertikal und horizontal auszubreiten. Bis aus einem Cumulus ein Cumulonimbus, also eine Gewitterwolke entstanden ist, treten mehrere Erscheinungsformen auf.

Cumulus humilis (Cu hu): Diese niedrige Wolke quillt im Laufe des Vormittags flach aus und zeigt uns das Vorhandensein thermischer Aufwinde an. Löst sie sich am frühen Nachmittag wieder auf, herrscht keine Gewittergefahr.

Cumulus mediocris (Cu med): Quillt Cu hu weiter auf, entsteht diese mittelgroße Haufenwolke, die immer noch breiter als hoch ist. Oft entstehen sogar Wolkenstraßen, die für Streckenflieger interessant sind. Abends löst sich Cu med wieder auf und zeigt keine Wetterstörung an.

Cumulus congestus (Cu con): Quillt eine Cumulus-Wolke im Sommer in kurzer Zeit in die Höhe, so entsteht ein Cumulus congestus, der im Inneren schon hohe Vertikalgeschwindigkeiten aufweist. Die Wolke ist bereits deutlich höher als breit. Außerdem werfen die oberen Wolkenschichten ihren Schatten auf die unteren, weshalb die Unterseite dunkelgrau erscheint (Eigenschatten). Wenn man sich unter einem Cu con befindet, ist dieser Eigenschatten ist oft der einzige Hinweis darauf, wie hoch aufgetürmt die Wolke bereits ist. Im weiteren Verlauf zeigt sich, ob die Energie für ein weiteres Aufquellen zu einem Cumulonimbus ausreicht, oder ob sich der Cu con wieder auflöst. Jedenfalls ist die Temperaturschichtung schon instabil und ein Gewitter ist wahrscheinlich.

Cumulonimbus (Cb): Beginnt der Cu con in seinen oberen Schichten zu vereisen, wird er als Cumulonimbus bezeichnet. In aller Regel wird dann ein breiter, nicht blumenkohlartiger Amboß sichtbar (auch Cirren-Schirm genannt). Das Naturschauspiel Gewitter beginnt. In der Folge regnet oder hagelt die Wolke aus und löst sich dabei auf. Die deutliche Abkühlung kann den weiteren regionalen Wetterverlauf beeinflussen.

Richtiges Erkennen der verschiedenen Wolkenarten

Anfangs ist es durchaus schwierig, die Wolken richtig zu klassifizieren. Besuchen Sie doch den Karlsruher Wolkenatlas, der zahlreiche Abbildungen von allen Wolkenformen beinhaltet: Karlsruher Wolkenatlas.

Aber auch wenn Sie sich die im Wolkenatlas abgebildeten Wolkenbilder noch so gut einprägen, werden Sie schon morgen Wolken am Himmel sehen, die Sie nicht einordnen können. Das liegt vor allem daran, daß die Zughöhe nicht so eindeutig zu erkennen ist. Meteorologen behelfen sich mit dem Wolkenradar oder mit Infrarot-Satelitenbildern. Leicht zu verwechseln ist beispielsweise der Nimbostratus mit dem Altostratus. Auch der Cirrocumulus kann mit einem kleinen Altocumulus und dieser wiederum mit dem Stratocumulus verwechselt werden.

In den Bergen kann man die Höhe der Wolken an den umliegenden Bergen bestimmen, wenn deren Gipfelhöhen bekannt sind. Flugzeuge sind ebenfalls eine Hilfe beim Einschätzen der Höhe, indem deren Flughöhe mit der Zughöhe der Wolken verglichen wird. Die Reiseflughöhe von Verkehrsmaschinen liegt bei 6.000 bis 10.000 m. Sportflugzeuge (ohne Druckkabine) finden sich meistens unterhalb von 4.000 m Flughöhe.

Es sollte also nicht schwierig sein, einen Altocumulus von einen Stratocumulus zu unterscheiden. Der Altocumulus zieht viel höher. Altocumulus kann man vom Cirrocumulus vor allem durch den Größenunterschied der "Wolkenteile" unterscheiden. Diese sind beim Altocumuli größer, und es entstehen darin oft dunkle Schattenflecken. Nimbostratus geht zudem meist mit Regen einher.

Die Entwicklung von Wolken kann auch über längere Zeit hinweg beobachtet werden, was ebenfalls eine Hilfe beim Klassifizieren sein kann. Die Kenntnis von typischen Wetterabläufen sollte das Erkennen der dafür charakteristischen Wolkentypen ebenfalls erleichtern.


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© Sascha Kerschhofer