Wetterprognose

Vor einem Flug Wetterinformationen einzuholen, sollte genauso selbstverständlich sein, wie die Beingurte zu schließen. Diese Informationen richtig zu verstehen, ist natürlich auch ein wichtiger Punkt (aber deshalb lesen Sie ja diese Seiten).

Viele Freizeitflieger wohnen und arbeiten in größerer Entfernung zum nächsten Fluggebiet. Oft stellt sich daher die Frage, ob sich ein Aufbruch ins Fluggebiet lohnt. Leider versäumen viele Pilotinnen und Piloten die schönsten Flugtage, weil sie sich durch die Fernsehwetterkarte von vorne herein abschrecken lassen. Gerade im Bergland können die Talsysteme die lokalen Bedingungen von der Großwetterlage erheblich abweichen lassen (natürlich auch zum Schlechten).

Zusammenfassend kann man sagen, daß Sie auf die kritischen Wetterlagen wie Föhn, Kaltfront, Sichtverhältnisse und Gewitterneigung in der Wettervorhersage achten müssen, um anschließend vor Ort die Wetterlage selbst zu beurteilen. Bevor Sie aufbrechen, könnten Sie im Fluggebiet anrufen und nach den Verhältnissen fragen. Dafür kommen Bergstationen oder Seilbahnbetriebe, aber auch Flugschulen und Fliegerclubs in Frage. Leider können sich die Windverhältnisse in den Alpen innerhalb von 30 Minuten komplett ändern. Es kommt daher schon einmal vor, daß Sie ohne das erhoffte Flugerlebnis wieder nach Hause fahren müssen. Besonders großen Frust verursacht ein vergeblicher Aufstieg zu Fuß oder mit der Seilbahn. Diese unbefriedigende Situation sollte Sie keinesfalls dazu veranlassen, gegen jede Vernunft bei widrigen Bedingungen zu starten.

Wetterdienste

Die in den Medien verkündete Wetterprognose ist in den letzten Jahren immer exakter geworden. Allerdings werden auch immer weniger Details über die genauen Ursachen der Wetterlage berichtet. Und in der Tat interessiert den Durchschnittsmenschen nur, wie warm man sich anziehen muß und ob man einen Regenschirm mitnehmen sollte.

Um sich Informationen von den Wetterdiensten zu beschaffen bieten sich Telefon, Teletext aber auch das Internet an. Eine möglichst vollständige Sammlung von Internet-Links zu Wetterinformationen für sehr viele Länder sind auf den Web-Seiten des DHV verfügbar.

Beispiel: Der für die Alpenländer wichtige Fremdenverkehr ist auf detailliertere Wetterinformationen zum Schifahren, Baden und Bergwandern angewiesen. Seit einigen Jahren bietet daher das österreichische Fernsehen (ORF) zwischen 7 und 9 Uhr früh das Wetterpanorama. Auf Dutzenden von Österreichs Bergstationen sind Kameras aufgebaut, die sich drehend einen wunderbaren Blick auf das Panorama und die Wetterlage erlauben. Zusätzlich eingeblendet sind die dort herrschenden Wetterwerte, aber leider nicht immer die Windbedingungen. Im Kabelfernsehen ist der ORF auch in Deutschland und der Schweiz zu empfangen. Einige Anbieter des Kabelfernsehens speisen auch TW1 ins Kabelnetz. Es handelt sich dabei um das Telewetter für ganz Österreich.

Im ORF Teletext finden Sie auf Tafel 613 das Flugwetter der Austro Control. Auf Tafel 612 sind die Bergwetterwerte abzurufen. Für einige wenige Berge sind hier der Bedeckungsgrad, die Temperatur und teilweise auch Windrichtung und Luftfeuchtigkeit angegeben.

Die offizielle Flugwettervorhersage der Austro Control wird in Österreich für jedes Bundesland einzeln erstellt. Auf lokale Gegebenheiten im Fluggebiet - etwa Windrichtung und Windstärke - kann allerdings nicht eingegangen werden. Im Internet finden Sie für jedes österreichische Bundesland die Wetterwerte und die Wetterprognose - ebenfalls von der Austro Control. Auch telefonisch sind die gleichen Informationen von der Austro Control zu einzuholen, allerdings meistens mit zusätzlichen Informationen über Windrichtung und -stärke auf markanten Bergen.

Zu beachten ist auch, daß die Windrichtung immer angibt, aus welcher Himmelsrichtung der Wind kommt. Ein Südwind kommt also von Süden und weht nach Norden. Übrigens wird die Windrichtung häufig nicht direkt durch die Himmelsrichtung, sondern durch eine Zahl zwischen 0 und 360 angegeben. Es handelt sich dabei um den Winkel, der auf der Kompaßrose abgelesen wird.

Nordwind bedeutet daher 0° oder 360°, Ostwind 90°, Südwind 180° und Westwind 270°. Natürlich sind auch Werte dazwischen möglich, welche die entsprechende Windrichtung beschreiben.

Analyse und Prognose vor Ort

Im Fluggebiet angekommen, müssen Sie nun die Wetterverhältnisse selbst beurteilen. Sie können dies durch Wind- und Wolkenbeobachtung tun. Sie prüfen, ob der Wind nicht zu stark weht und aus der richtigen Richtung kommt. Den regionalen Wind (Hangwind, Talwind) können Sie durch Windsack oder Windfähnchen beurteilen. Die Richtung des überregionalen Windes erkennen Sie anhand von Wolken, die Sie beispielsweise durch eine Antenne anpeilen. Weiters halten Sie an heißen Tagen nach sich überentwickelnden Wolken Ausschau, die ein Gewitter ankündigen. Sie sehen anderen Fliegern zu, um zu beurteilen, ob eine starke Thermik unruhige Flugverhältnisse verheißt. Auch das Personal von Seilbahngesellschaften gibt gerne Auskunft über die Bedingungen. Sie können also ruhig in der Talstation nach den Windverhältnissen der Bergstation fragen.

Natürlich besichtigen Sie den Landeplatz, um das Variometer zu kalibrieren und um die Landeeinteilung zu planen. Vielleicht können Sie auch soeben gelandete Piloten nach den Verhältnissen befragen. Den Kontakt zu ortskundigen Piloten sollten Sie in einem fremden Fluggebiet ohnehin immer suchen, Sie müssen ja nicht unbedingt den "Hausbart" erst selber erkunden. Das zuständige Tourismusbüro hat meistens Kontaktadressen von ortsansässigen Fliegerclubs oder Flugschulen.

Ob ein Flug durchführbar ist oder nicht, muß aber letzendlich der Pilot selbst entscheiden. Weder der Wetterdienst noch sonst irgendjemand anderer kann dafür verantwortlich sein. Bedenken Sie, daß auch bei Freizeitpiloten der Herdentrieb stark ausgeprägt sein kann. Einfach das zu tun, was alle anderen machen, ist sicher kein gutes Rezept. Trotzdem sollte es Ihnen zu denken geben, wenn Sie sich urplötzlich alleine in der Luft befinden. Befreien Sie sich vom Gruppenzwang, wenn alle anderen fliegen wollen, Sie selbst aber Bedenken haben. Wirklichen Mut beweisen Sie, wenn Sie die Finger vom Schirm lassen und zu Ihrer Entscheidung stehen. Mit dieser Einstellung ist das Leben lang genug für viele schöne Flugerlebnisse.


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© Sascha Kerschhofer